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LRS an der Karl-von-Drais-Schule

LRS … wir haben nachgefragt! 

L, R, … was? Wofür stehen eigentlich diese drei Buchstaben und was haben sie mit der Karl-von-Drais-Schule zu tun? Wir haben bei der Deutsch- und Englischkollegin Frau Nagel nachgefragt, die eine unserer Expert*innen auf diesem Gebiet ist. 

Liebe Frau Nagel, wofür steht denn jetzt LRS? 

LRS steht für Lese-Rechtschreib-Schwäche. Die LRS-Kurse gibt es schon ziemlich lange an der KvD, für die Klassen 5. und 6. in den Hauptfächern Englisch und Deutsch. Die Kurse finden einmal wöchentlich über das gesamte Schuljahr statt. Alle Kinder, die über einen längeren Zeitraum (in der Regel 6 Monate) entweder im Lesen oder in der Rechtschreibung schwächer als ausreichend (Note 4) sind, fallen quasi in diesen Topf. Denn in der Klasse 5./6. wird noch nicht unterschieden zwischen – braucht einfach noch ein bisschen mehr Übung und hat Legasthenie. Entweder sind es also Kinder, bei denen LRS attestiert wurde oder der Deutschlehrer/die Deutschlehrerin entscheidet gemeinsam mit der LRS-Lehrkraft, ob ein LRS-Kurs sinnvoll wäre.  

Was mir persönlich ganz wichtig ist: bei LRS handelt es sich um ganz normal intelligente Kinder, die aber eben in einem ganz bestimmten Bereich schwächer sind, weil das Gehirn wahrscheinlich Informationen in diesem Bereich anders verarbeitet. Und das ist genauso wie z.B., wenn ein Kind eine Sehschwäche hat und dann zur Unterstützung eine Brille benötigt. Die LRS-Kurse sollen dabei helfen in Kleingruppen an diesen Problemen zu arbeiten – systematisch. Zum Beispiel werden noch einmal anhand von einfachen Rechtschreibregeln die Basics gefestigt.  

Welche Kinder profitieren denn besonders von den LRS-Kursen? 

Das Schöne an den LRS-Kursen ist: es sind kleine Gruppen, es ist ein gehüteter Rahmen, in dem man eben auch Fehler machen kann und auch soll. Die Kinder sollen einfach auch Selbstbewusstsein dazu gewinnen und in der kleinen Gruppe eben auch sehen, was sie alles schon können.  

Man hat auch die Zeit sich mit ihnen intensiv zu beschäftigen. Im Unterricht haben die Kinder häufig schon ganz viele negative Erfahrungen gesammelt. Und hier im LRS-Kurs haben sie eine Möglichkeit, individuell gefördert zu werden. In den LRS-Kursen geht man nochmal zurück zu den Basics, d.h. sie können ihre Lücken schließen, sie sehen, dass sie Fortschritte machen und sie bekommen ganz viel positive Rückmeldung, weil diese Problembereiche so im normalen Unterricht nicht mehr aufgegriffen werden können und so nicht mehr stattfinden. Die Kinder profitieren alle davon. Aber wenn jemand eine starke Rechtschreibschwäche hat bzw. Legastheniker ist, dann braucht der Schüler/die Schülerin unbedingt eine zusätzliche Therapie. Aber auch hier können wir als Lehrkräfte natürlich helfen und an die entsprechende Stelle verweisen.  

Wer leitet denn überhaupt die LRS-Kurse? 

Die LRS-Kurse werden geleitet von Lehrkräften, die eine Fortbildung in diesem Bereich besucht haben. Wir sind natürlich auch immer im engen Kontakt mit den Deutsch- und Englischlehrkräften. Wichtig zu wissen ist vielleicht auch noch, dass sich eine Lese-Rechtschreib-Schwäche auch in die Fremdsprache verlagern kann. Dies muss aber nicht der Fall sein. Ein Kind kann also auch nur in Englisch eine LRS haben, aber nicht in Deutsch und umgekehrt.  

Was genau wird denn in einem LRS-Kurs gemacht? Können Sie uns den Unterricht ein bisschen genauer vorstellen? 

Das kann ganz unterschiedlich je nach Lehrkraft sein. Also die LRS-Stunden liegen immer eher am Ende des Schultages, was für die Schüler*innen sehr anstrengend ist. Ich habe es daher zum Beispiel, also vor Corona, immer so gemacht, dass wir etwas zum Essen mitgebracht haben (Schokolade oder Kuchen) und dann hat erstmal jeder erzählt, was schön war am Tag und dann haben wir konzentriert losgelegt.  

Und dann guckt man, wo die Probleme bei den Kindern liegen. Wenn die Kinder eher Probleme beim Lesen haben und nicht bei der Rechtschreibung, dann lege ich den Schwerpunkt natürlich eher auf das Lesen und weniger die Rechtschreibung. Aber in der Regel gehen wir in Deutsch nach der Freiburger Rechtschreibschule (FRESCH). Wir gehen dann die entsprechenden Strategien nochmal durch und üben das und wenn jemand große Probleme beim Silbenschwingen hat, dann üben wir das erstmal. Und es gibt keine Hausaufgaben und keine Noten und das ist auch so etwas, was den Kindern richtig guttut, dass sie einfach mal nicht die Angst haben müssen, ich werde hier jetzt bewertet.  

Was sollten Eltern noch über die LRS-Kurse wissen? 

Was ich immer wieder betone ist, dass Schüler*innen, die wirklich eine attestierte LRS haben, dafür ganz häufig in anderen Bereichen viel stärker als andere Kinder sind oder sie haben besondere Fähigkeiten.  

Wenn die Kinder an einem LRS-Kurs teilnehmen, dann wird es auch im Zeugnis vermerkt. Dies ist aber noch kein Nachteilsausgleich. Für diesen muss in einer Klassenkonferenz für das jeweilige Kind abgehalten werden. Mit einem Nachteilsausgleich erhalten die Kinder dann zusätzliche Unterstützung bei den Klassenarbeiten oder es werden nicht alle Fehler gewertet. Das kann für Kinder, die eine sehr starke LRS haben, eine große Entlastung sein. 

Es ist ganz wichtig für die Eltern zu wissen, dass die Teilnahme an einem LRS-Kurs kein Nachteil für das Kind ist. Im Gegenteil – diese Kinder haben schon so viele negative Erfahrungen gemacht und durch die Kurse kann ihnen ein bisschen Druck an den ein oder anderen Stellen genommen werden und das ist sehr hilfreich. Die meisten Eltern sind da auch wirklich sehr kooperativ und am Ende ist es immer wieder schön zu sehen, wie sehr die Schüler*innen von den Kursen profitieren.  

Liebe Frau Nagel, vielen Dank für dieses ausführliche Gespräch. Weitere Fragen und Inhalte zu den LRS-Kursen werden übrigens auch auf unseren YouTube-Kanal von Frau Achstetter geklärt. Hier geht’s zu Video! 

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