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Mannheimer Morgen: „Ein Gegenpol zu Hass und Hetze“

„Mensch, wo bist Du? Gemeinsam gegen Judenfeindschaft“ lautet das Motto der „Woche der Brüderlichkeit“ in der Rhein-Neckar-Region, die im Ludwigshafener Heinrich-Pesch-Haus feierlich eröffnet worden ist. Die rund 300 Gäste – Christen, Juden und Muslime – kamen aus Ludwigshafen, Mannheim und Viernheim. Unter ihnen waren viele Schüler der Abrahamschulen. Ein zentraler Bestandteil dieser regionalen Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit war die Übergabe der Abraham-Pokale.

In seiner Begrüßung erklärte Manfred Froese, Evangelischer Vorsitzender der Gesellschaft für christliche-jüdische Zusammenarbeit (GcjZ) Rhein-Neckar, dass die Mottofrage die erste Frage Gottes an den Menschen gewesen sei, nachdem er von der verbotenen Frucht im Paradies gegessen habe. „Es ist die Frage nach unserer Verantwortung. Dieses Motto geht uns direkt an. Es geht darum, unser Zusammenleben zu stärken und die Schätze der Vielfalt erfahrbar zu machen“, sagte Froese und warb für einen Dialog zwischen den Religionen und Kulturen. Mit einer Spielszene aus der Ringparabel von Lessings „Nathan der Weise“ stimmten Schüler der Gesamtschule Gartenstadt die Besucher am Sonntag auf das Thema ein.

„Wir müssen unsere Schüler gegen Rassenhass und Antisemitismus wappnen. Schule und Elternhaus müssen ein Gegengewicht zu Hass und Hetze sein. Extremismus, Rassismus und Antisemitismus dürfen keine Chance haben“, forderte Ludwigshafens Bürgermeisterin Cornelia Reifenberg. Mannheims Bürgermeister Lothar Quast ermutigte die Schüler, das Verbindende der Religionen zu ergründen. Viernheims Bürgermeister Matthias Baaß freute sich, dass der Abraham-Pokal erstmals an eine Schule in Hessen ging.

Seit dem Jahr 2001 bildet der Abraham-Pokal einen Schwerpunkt der Aktivitäten der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Rhein-Neckar. Diesen Pokal „Abraham-Vater des Glaubens“ gibt es inzwischen in zweifacher Ausführung. Seit 2001 geht er jährlich in Mannheim von Schule zu Schule und seit 2003 in Ludwigshafen. Über 30 Schulgemeinschaften hatten den Pokal für jeweils zwölf Monate und arbeiteten an Themen wie friedlichem Miteinander, Interreligiosität und Toleranz. Für Ludwigshafen übergaben die Schüler der integrierten Gesamtschule-Gartenstadt den Abraham-Pokal an die Schulgemeinschaft der Berufsbildende Schule Wirtschaft 2. Die Schüler der Mannheimer Karl-von-Drais-Schule übergaben den Abraham-Pokal an die Schüler der Viernheimer „Alexander von Humboldt Schule.

Gespräche mit Zeitzeugen geplant

„Unter dem Motto ,Vielfalt feiern’ möchten unsere Schüler die nächsten zwölf Monate aktiv die drei Weltreligionen in den Fokus nehmen. Als Berufsbildende Schule möchten wir auch die Ausbilder in die Auseinandersetzung mit dem Thema einbeziehen“, erzählte Monika Rief, Oberstudiendirektorin der Ludwigshafener Berufsbildenden Schule Wirtschaft 2. Es sind Exkursionen und Diskussionen mit Zeitzeugen sowie ein großes Fest geplant.

„Ich freue mich sehr, dass der Pokal erstmals nach Hessen geht. Wir haben Schüler aus 135 Nationen und vielen Religionen. Wir werden weiter Stolpersteine verlegen und Exkursionen durchführen“, berichtete Cornelia Kohl, Direktorin der Viernheimer Alexander-von- Humboldt- Schule. Mit Musik, Präsentationen sowie einer Vernissage zeigten die Abrahamschulen 2018 und 2019 ihre Projekte. Die Woche der Brüderlichkeit (WdB) ist eine seit 1952 jährlich im März stattfindende Veranstaltung für die christlich-jüdische Zusammenarbeit in Deutschland.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 19.03.2019